Ein Lektüretipp für den Sommer

Bücher, Dokumentationen, Fernsehserien über die 1920er Jahre sind seit ein paar Jahren in Deutschland sehr beliebt, man denke nur an die aufwändige Fernsehserie über Kriminalfälle in den 1920er Jahren,  „Babylon Berlin“. In dieser Leseempfehlung möchte ich ein Buch vorstellen, das sich auf packende Art und Weise genau mit dieser Zeit befasst, nämlich den Erfolgsroman „Der eiserne Gustav“ von Hans Fallada. Nun ist „Der eiserne Gustav“ kein neuer Roman, die Erstausgabe ist 1938, also während der Nazizeit herausgekommen. Warum also diesen „alten“ Roman neu lesen? Dafür gibt es viele Gründe. Während der Nazizeit war Hans Fallada ein „unerwünschter“, nur geduldeter Schriftsteller. Das führte dazu, dass von Goebbels verfügt wurde, dass der Roman nur mit einem geänderten Schluss erscheinen dürfe. Goebbels war damals so interessiert an dem Buch, dass er selbst an einem passenden Schluss gearbeitet hatte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde in der DDR eine weitere Fassung des Romans publiziert, die aber ebenfalls aus politischen Gründen bearbeitet worden war.

Jetzt ist eine neue Ausgabe im Aufbau Verlag erschienen, in der die Literaturprofessorin Jenny Williams Falladas ursprünglichen Schluß gemäß seiner Intention wiederhergestellt hat. Es handelt sich also um eine Fassung, „die den Text des Autors ohne politische Rücksichtnahmen wiedergibt“ (s. Klappentext). Wie das geschehen ist, beschreibt Williams in dem ebenfalls sehr interessanten Nachwort.

Was bleibt, ist die Erzählkunst Falladas, der zudem ein großer Menschenfreund war. Ich habe diesen Roman „verschlungen“! Auf der einen Seite ist er sehr spannend und voller interessanter Figuren, voller Bösewichter, Helden und einfacher Menschen, mit denen man mitfiebert und „mit leidet“, auf der anderen Seite sind es die Einblicke in das gesellschaftliche Leben dieser Zeit, die das Buch so lesenswert machen. Eine Lektüre, die für die Sommerferien bestens geeignet ist!

Hans Fallada, „Der eiserne Gustav“, 1. Auflage 2021,  Aufbau Verlag, Berlin 2019 (rekonstruierte Textfassung), ISBN: 978-3-7466-3862-1.

Axel Stock, Presbyter und Gemeindezeitungsredakteur

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