Diese Szene griff vielleicht am meisten ans Herz der Zuhörerschaft im Parkett und auf den Rängen: Desdemona hat ihr trauriges Lied vom Weidenbaum gesungen, und nun sucht sie Trost im Gebet. Ein Ave Maria wird zur Arie, und das vielen Christinnen und Christen vertraute Gebet erfährt noch kleinere Anbauten wie diese: „Bitte für den, der vom Unrecht gebeugt ist und vom grausamen Schicksal!“
Im Opernhaus zu Düsseldorf sang das die weibliche Hauptperson des Stückes mit italienischen Worten. Denn auf dem Programm stand ein Meisterwerk von Giuseppe Verdi: Otello, eine Oper in Anlehnung an Shakespeares gleichnamige Tragödie. Im Parkett saßen wieder einmal Musikfreunde der Gladbacher Christuskirchengemeinde von U17 bis Ü70. Den Ausflug zur anderen Rheinseite am 10. Juli hatte Pfarrerin Annette Beuschel bestens organisiert.
Mit Desdemona faltete ein großes Publikum fast unwillkürlich die Hände, und zugleich wusste jeder allein durch die Musik: die Geschichte geht nicht gut aus. Hut ab vor einem wie Verdi. Bemüht wirkte hingegen an manchen Stellen die Inszenierung. Man kann auch sagen, sie wirkte gewollt. So sollte der einen schwarzen ehemaligen Sklaven namens Otello spielende Tenor kosmetisch nicht als ein solcher erkennbar sein. Ergebnis: der Sänger trug nicht mehr schwarze, sondern weiße Farbe im Gesicht. Nun ja. Noch einmal ergreifend wurde es nach dem Schlussapplaus. Gerhard Michalski wurde auf die Bühne gebeten, der als musikalischer Leiter gefeiert wurde. „Danke für alles“ war über der Bühne zu lesen, und das Wort „alles“ bezog sich auf ein 25-jähriges Wirken als Chordirektor der Deutschen Oper am Rhein. Bei seiner letzten Vorstellung vor dem Ruhestand war auch eine Delegation aus Gladbach dabei.
