Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
im April feiert ihr eure Konfirmationen, und das gleich in zwei Gottesdiensten an verschiedenen Sonntagen. Und das passt ganz gut, denn beide Kurse sind auf eine bestimmte Weise einmalig. Natürlich ist jede und jeder sowieso erst mal ein Unikat des lieben Gottes: unverwechselbar und ein genialer Gedanke des Himmels obendrein. Aber wie ihr als Unikate aufeinander und miteinander gewirkt habt, das war einfach speziell. Die erste Gruppe legte jeden Dienstag ein Temperament an den Tag, bei dem es der Pfarrer schon mal schwer hatte, überhaupt zu Wort zu kommen. Da ging es jedes Mal hoch her, und das schon vor dem eigentlichen Unterricht, wenn einer nach dem andern im Wichernhaus ankam und von Frau Heisterkamp empfangen wurde. Wenn ich dazu kam, fühlte ich mich fast wie in Neapel. Schon die Lautstärke zeigte an: hier ist Leben pur. Und in dieser Unterrichtsatmosphäre haben wir tatsächlich viel miteinander gelernt, auch das, was man Unterrichtsstoff nennt: das Glaubensbekenntnis, die 10 Gebote und weitere Besonderheiten der Bibel, dazu der Aufbau der Kirche und Gesangbuchklassiker wie „Lobe den Herren“.
Nach der ersten Stunde ging ich vom Unterrichtsraum wieder ins Erdgeschoss und holte die zweite Gruppe ab, die zwischenzeitlich im Wichernhaus eingetrudelt war. Junge Leute im gleichen Alter, in der Christuskirche und im Gemeindehaus ähnlich beheimatet und mit dem selben Pfarrer als Kursleiter. Aber die Gruppentemperatur war eine andere. Selten kochten Emotionen hoch, das Wort chaotisch fiel als Zustandsbeschreibung aus. Es konnten sogar öfter Relativsätze gebildet werden. Auch schön. Selbstverständlich schaffte dieser Kurs sein Pensum genauso.
Erstaunlich finde ich, dass die beiden so unterschiedlichen Gruppen ein starkes Team waren, wenn gemeinsame Aktionen anstanden. Die insgesamt vier Wochenendfahrten ins Ruwertal machte zwar noch jeder Kurs für sich, aber bei den vier Konfirmandentagen gestalteten alle zusammen den Sonntagsgottesdienst in der Christuskirche. Zum Landtag reiste man im selben Bus nach Düsseldorf und hatte sichtlich viel Spaß miteinander. Zuletzt hängten sich die Fußballbegeisterten beim Konfi-Cup des Kirchenkreises richtig rein, um am Ende mit dem Pokal für den dritten Platz die Soccer-Arena in Neuwerk zu verlassen.
Schon diese beiden Gruppen-Gesichter sind für mich ein einziger Anschauungsunterricht über Gott. Wer er ist und was er tut, kann man bei euch sehen. Als Gruppe. Und bei jeder einzelnen und jedem einzelnen. Noch einmal: ihr seid Unikate des lieben Gottes. Unverwechselbar, einzigartig. Und als diese Unikate seid ihr eine wahre Freude.
Eines der ältesten Glaubensbekenntnisse redet davon, dass die Kirche eine einzige ist und heilig und allgemein und apostolisch. Bei euch kann man gut sehen, was die allgemeine Kirche ist. Oder die katholische Kirche, um mal das ursprüngliche griechische Wort zu benutzen. In diesem Sinn gehören auch evangelische Christen zur katholischen Kirche. In der allgemeinen Kirche sind alle dabei, keiner wird ausgeschlossen oder bevorzugt. Wo man herkommt und was man sein will, spielt keine Rolle. Wichtig ist allein das Ansehen, das jeder bei Gott genießt.
Mit eurer Konfirmation sagt ihr Ja zu dieser Kirche. In ihr hat jedes Unikat seinen Platz. Weil die Kirche nicht sich selbst gehört, sondern Jesus Christus. Bleibt der Kirche weiter gewogen. Denn Gott liebt euch nicht nur. Er braucht euch auch.
Herzlichst
Euer Pfarrer Werner Beuschel
