Ausflug zur Deutschen Oper am Rhein: Kann ein Komponist vermöbelt werden?

Wenn möglichst viel und am besten alles zur Sprache kommen soll, kann es schon mal kompliziert werden. So wie in Giuseppe Verdis Oper Il Trovatore. Bei diesem Troubadour packt das Komponistengenie das pralle Leben hinein: hitzige Liebe, Verrat und Treue, abgründige Familiengeschichten, viel Testosteron, lautes Schluchzen. Mörder sind auf offener Bühne zu besichtigen. Mörderinnen sind natürlich mitgemeint. Zum Beispiel eine Kindsmörderin. Kein Wunder, dass nach dem Einführungsvortrag im Foyer der Düsseldorfer Oper an diesem Julisonntag 2026 manch Unkundiger ein noch größeres Fragezeichen auf der Stirn stehen hatte. Die vorab erzählte Handlung ist wirklich kompliziert. Vielleicht ebenfalls kein Wunder, dass die Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein nicht ergreifend schlicht rüberkam. Schon das Bühnenbild wirkte kompliziert. Auf sich drehenden Inseln sah man in Räumen ohne Wände eine Ansammlung von Kommode und Kühlschrank sowie Bett und Bügelbrett. Ein reichlich vermöbelter Schauplatz.

Und doch war alles zugleich ganz einfach. Dafür sorgte das Komponistengenie. Verdi hatte mit seiner Musik schon durch den pochenden Paukenwirbel gleich zu Beginn das Publikum gepackt. Im Parkett dabei: Musikfreunde der Gladbacher Christuskirchengemeinde, die vom jugendlichen bis zum reifen Alter sich in ihrer Gemeinde ehrenamtlich engagieren. Den Ausflug zur anderen Rheinseite am 12. Juli hatte Pfarrerin Annette Beuschel wieder einmal bestens organisiert.

Exzellente Gesangssolisten, ein sehr präsenter Chor und ein einfühlsames wie agiles Orchester zogen die Opernbesucher in den Bann. Nach dem lang anhaltenden Schlussapplaus, von fast allen stehend vorgetragen, meinte eine ansonsten beruflich stark geforderte Zuhörerin: „Ich war die ganze Zeit mit dem Herzen voll dabei und konnte an gar nichts anderes denken.“ So einfach ist das also mit der Musik und einem Genie wie Verdi, der nur in einem vordergründigen Sinn vermöbelt werden kann.

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