Erinnerung an Konrad Beikircher (1945-2026): Als einmal Glocken ins Programm platzten

Was hatte ich mich gefreut, dass ich Konrad Beikircher für einen Auftritt in der Christuskirche gewinnen konnte. Denn eigentlich war der Kabarettist und Musiker auf der Kleinkunstbühne und auch in Konzerthallen zuhause. Die Idee hatte ihm gefallen: fünf Jahre nach der Einbringung des neuen Geläuts im italienisch angehauchten Glockenturm der Christuskirche sollten von ihm und seinen musikalischen Mitstreitern italienische Lieder der 60-er Jahre live zum Besten gegeben werden. Zum Programm gehörten unter anderem Songs von Adriano Celentano.

Der von mir so genannten Serenade unterm Campanile stand nichts mehr im Wege. Eigentlich. Denn unvermutet drohte eine akustische Gegenveranstaltung auf dem Kapuzinerplatz. Ein Länderspiel sollte zeitgleich über einen auf dem Dach einer Gaststätte installierten riesigen Bildschirm übertragen werden. Nordkurvenstimmung auf dem Platz vor der Christuskirche garantiert. Irgendwie kriegte ich das gedanklich nicht zusammen. Und sagte das auch laut. Was nicht jedem gefiel.

Schon am frühen Nachmittag jenes 25. Juni 2005 war Beikircher aus Bonn angereist. Kurze Begrüßung, Soundcheck in der Christuskirche. Danach blieb etwas Zeit zum persönlichen Gespräch. Dabei erzählte ich auch von den Irritationen wegen der Fußballübertragung. Aus der war letztlich nichts geworden, aber die Diskussion noch nicht ganz vergessen.

Punkt 17 Uhr legte dann Beikircher mit seinen Mannen los. Bis zum letzten Platz besetzt war das Kirchenschiff. Der gebürtige Südtiroler, auch mit der italienischen Sprache aufgewachsen, hatte dabei die Gitarre zur Hand, und gelegentlich kam auch die Mundharmonika zum Einsatz. Die musikalische Zeitreise in die 60-er Jahre riss die Zuhörerinnen und Zuhörer mit.

Doch was war das nach einer Stunde Konzertdauer? Eine Glocke schwang sich zum Einsatz auf, eine zweite folgte ihr, gefolgt von der dritten. Das Geläut, mit dem an jedem Samstag Punkt 18 Uhr der Sonntag für zehn Minuten eingeläutet wird. Ich hatte vergessen, die Programmautomatik ausstellen zu lassen. Und genau in dem Moment zeigte Konrad Beikircher seine unübertreffliche Art, so humor- wie liebevoll die Unzulänglichkeiten im menschlichen Miteinander aufzuspießen. Er nahm die akustische Störung zur Kenntnis. Lachte kurz, eigentlich kicherte er mehr. Und meinte, dass Fangesänge gegen so ein Geläut doch gar nichts wären. Ich lächelte, und mit mir taten es viele andere, mehr oder weniger hörbar. Das Konzert dauerte noch eine weitere Stunde in gelöster Stimmung. Ein wunderbarer Abend.

Jetzt ist Konrad Beikircher gestorben, und meiner Frau und mir steht noch immer diese denkwürdige Begegnung vor Augen. Sie hat einen festen Platz in unserem Herzensschatzkästchen, in dem nicht nur Dienstliches abgelegt ist. Konrad Beikircher, der mit Charme, Wortwitz und Musikalität die Menschen auf einmalige Weise für sich gewinnen konnte, wird fehlen. Er wurde am 8. August 2026 mit einem öffentlichen Trauergottesdienst im Bonner Münster verabschiedet und auf dem Alten Friedhof beigesetzt.

Werner Beuschel

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