Die Sonne scheint von blauem Himmel, weiße Wolken ziehen vorbei, über das Wasser des Geroweiher weht hin und wieder eine frische Brise. Auf der Wiese rund um das Gewässer haben Familien ihre Picknickdecken ausgebreitet, für die Tauffamilien stehen Bänke bereit. An sechs festlich geschmückten Tischen werden Kannen mit Taufwasser gefüllt, die Taufbecken glitzern. Der Kinderchor hat sich eingesungen, die Rolling Thunder Brass Band haben ihre Instrumente gestimmt. Evangelische und katholische Geistliche haben ihre Talare und liturgischen Gewänder angelegt. In fröhlicher Stimmung warten mehr als dreihundert Teilnehmende auf den Beginn des zweiten Ökumenischen Tauffests in Mönchengladbach.
34 Menschen empfingen in diesem stimmungsvollen Rahmen die Taufe: Babys, die gerade ein paar Wochen alt waren, wurden ebenso getauft wie Kinder und Erwachsene. Auch ganze Familien waren dabei. So ließ sich Vater Adewale Adeyemi gemeinsam mit seinen beiden Töchtern Liana und Kleo taufen. Weil sie sich genau so einen Rahmen für die Taufe ihrer Zwillinge gewünscht hatten, war eine Familie sogar aus dem entfernten Mainfranken angereist. „Der Wunsch nach Segen ist da“, sagt Pfarrerin Esther Gommel-Packbier. „Viele Menschen sehnen sich nach dem Gefühl, dass da jemand ist, der auf uns schaut. Die Taufe ist die Zusage, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt.“
So bunt und fröhlich das Tauffest war, so konzentriert, persönlich und intim war die Taufhandlung. Die festlich gekleideten Familien versammelten sich um die Tische und erlebten, wie dem Täufling der Segen und die Liebe Gottes zugesprochen wurde. Nur die wunderschön individuell gestalteten Taufkerzen taten sich schwer, im auffrischenden Wind dauerhaft zu leuchten. Aber sie entfalteten ihre Wirkung auch ohne Flamme – 34 Kerzen in einer langen Reihe auf dem in der Münsterschatzkammer aufbewahrten ökumenischen Tischtuch.
Pfarrer und Regionalvikar Ulrich Clancett hatte zuvor bei seiner Ansprache einen großen Bogen geschlagen von der Gründung der Abtei als Keimzelle der Stadt Mönchengladbach durch den Mönch Sandrad zu einer Zeit, als von christlichen Konfessionen noch nicht die Rede war, bis hin zum ökumenischen Tauffest, bei dem Trennendes überwunden wird. „Die Welt funktioniert nur, wenn wir den Weg gemeinsam gehen.“
Die christlichen Konfessionen eint viel mehr, als sie trennt. Mit dem Tauffest wird dafür ein wichtiges und weithin sichtbares Zeichen gesetzt. Unterstrichen wird die Aussage vom großen Kinderchor, der aus den Chören von vier evangelischen und katholischen Gemeinden besteht, deren Auftritt für viel Begeisterung bei den Besuchern sorgte. „Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu“, sangen die Kinder mit viel Stimmkraft.
Nach Gottesdienst und Taufen wurde das Kuchenbuffet eröffnet und die Familien, Gäste und Besucher genossen bei Livemusik und Sonnenschein noch weiter die wunderbare Stimmung rund um den Geroweiher unterhalb des Münsters.
Angela Rietdorf
