Wenn plötzlich Großes auf uns zukommt...

Was machen wir dann? Wie verhalten wir uns? Gehen wir reflexartig in Deckung? Klein geduckt ausharrend und abwartend, dass die Ereignisse an uns vorbeiziehen mögen?

Glauben Sie mir, diese Haltung ist auf Dauer unserem Bewegungsapparat nicht besonders zuträglich. Schon nach kurzer Zeit mischen sich in das ängstliche Gefühl des Zusammenkauern die Muskelschmerzen der ungewöhnlichen Haltung.

Vielleicht ist das Ausweichen eine adäquate Lösung, um der Konfrontation zu entgehen. Als Reaktion auf plötzlich, unverhofft auftretende Ereignisse kann uns das Ausweichen erst einmal Zeit verschaffen. Zeit zum Nachdenken. Zeit um nach unseren eigenen Möglichkeiten des Handelns zu suchen.

Mit dem Ausweichen erreicht man zudem einen Perspektivenwechsel, der das Ereignis vielleicht in Licht, Farbe oder Form verändert.

Zur Seite gehen bringt mich in Bewegung. Bringt mich aus der Passivität des ängstlich Abwartenden in die Interaktion mit dem Ereignis.

Oder können wir Neues vielleicht entspannt und sogar neugierig auf uns zukommen lassen, obwohl wir noch nicht wissen, was es für uns und unser Leben bedeutet? Es aufrecht stehend mit weit geöffneten Armen empfangen, weil wir unseren Fähigkeiten vertrauen dürfen?

Ich wünsche mir für die Kinder unserer Gemeinde die zuletzt beschriebene Strategie. Im Vertrauen auf ihre Fähigkeiten, in einer Gemeinschaft, die die Sicherheit des Beistandes gibt.

Kinder lernen spielerisch, sinnlich und praktisch am besten. Deshalb ist es wichtig, für sie außerschulische Lernorte zu schaffen, an denen lebendige Erfahrungen gemacht werden können. Eine Wertebildung, die nicht theoretisch vermittelt, sondern praktisch erfahrbar wird und nachhaltig in die Persönlichkeitsentwicklung einfließt.

Ein solcher Ort wurde mit der Taekwondo-Gruppe geschaffen.

Die koreanische Bezeichnung Taekwon-Do setzt sich aus drei Begriffen zusammen. Der Wortabschluß lautet „Do“ und bedeutet „Weg“. Er meint den Reifeprozess von Körper und Geist und akzentuiert damit insbesondere auch die inneren Werte, die neben den physischen Merkmalen und Techniken in der Vermittlung eine wesentliche Rolle spielen und die Einheit von Körper und Geist formen.

Demut, Barmherzigkeit, Aufrichtigkeit und Wahrheitsliebe werden erprobt und erfahren. Durch Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen soll sich der Geist beruhigen und sammeln.

Die Meditation ist für die Kinder eine Auseinandersetzung, in Stille mit sich selbst. Sie führt wohltuend ins „Hier“ und „Jetzt“. Melanchthon drückte es so aus: „Bildung ist eine Form der Selbstbegegnung mit sich und der Welt“. Also werden wir weiter im Sinne des großen Bildungsreformers an der emotionalen Bildung der Kinder arbeiten. Damit sie großes Neues – aktuell die Einschulung, den Schulwechsel, den Verlust von vertrauten Schulfreundschaften, neue Kontakte und vieles mehr -  mit offenen Armen, neugierig und im Vertrauen auf ihre Fähigkeiten annehmen können.

Dagmar Jansen