Andacht Mai 2019

Es ist keiner wie du, und es ist kein Gott außer dir. (2. Samuelbuch 7,22)

"Es ist keiner wie du, und es ist kein Gott außer dir." Der das sagt, ist selber unvergleichlich. Na sagen wir mal: ein ganz Großer. Eine Lichtgestalt. Und Hoffnungsträger. Das hat ihm keiner an der Wiege gesungen. In seinen jungen Jahren war er ein Hirtenjunge. Aber wenig später sollte er groß rauskommen, der Jüngste unter acht Brüdern. Zum neuen König berufen. Sein Name ist David.

Sein Aufstieg und seine Regentschaft waren alles andere als immer nur blitzsauber. Die Bibel erzählt ein Leben, in dem neben ungeheurer Strahlkraft auch viel Schatten zu besichtigen ist. Aber mit Davids Name ist für die heilige Schrift ein guter Klang verbunden. Sogar eine Reihe Psalmen sind  ihm zugeschrieben. Ein politisch kluger Schachzug war es, eine Stadt inmitten des jungen Königreiches zu erobern und diese nicht nur zu seiner Stadt, sondern auch zur Hauptstadt zu machen: Jerusalem, die Davidsstadt. Dort will David einen Tempel bauen. In der Zeit der Wüstenwanderung wohnte Gott noch in einem Zelt.

Der Gott Israels will David die Treue halten. Der Prophet Nathan gibt dem König eine himmlische Zusage: "Dein Haus und dein Königtum sollen beständig sein in Ewigkeit vor mir, und dein Thron soll in Ewigkeit bestehen." (2. Sam 7,16) Die Antwort Davids? Er kommt auf den Größenunterschied zu sprechen. "Es ist keiner wie du, und es ist kein Gott außer dir."

Vielleicht besteht ja genau darin wahre Größe: zu wissen, wo die eigenen Grenzen sind. Und das auch zu sagen. "Nichts ist so groß, Gott ist noch größer", so hat es einst Martin Luther gesagt. Und der Reformator fügte sofort hinzu: "Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner". Weil er Mensch wurde. Weil er unser Leben teilt. Besonders mit den Kleinen.  Das ist nicht nur das reine Vergnügen. Das kann auch das nackte Elend bedeuten. Gott hat es mitgemacht. In der Krippe, in der Stadt, aus der David kam: Bethlehem. Am Kreuz, in der Stadt, die zur Davidsstadt wurde: Jerusalem. Und dort hat Gott ihn auch von den Toten auferweckt. Jesus von Nazareth: er ist für die Christenheit nicht nur der Menschensohn. Er ist auch der Gottessohn. Er ist auch der Sohn Davids.

Über die Amtszeit Barack Obamas als Präsident der USA gibt es einen Bildband mit Fotos von Pete Souza. Acht Jahre lang hat er Obama als Chief Offiicial White House Photographer fast täglich mit der Kamera begleitet. Eins der für mich eindrücklichsten Aufnahmen in diesem Bildband zeigt den amerikanischen Präsidenten im Oval Office. Er ist in Gesellschaft einer vierköpfigen Familie. Der Familienvater wurde von Obama als Mitarbeiter verabschiedet. Aber vor dem Abschied per Handschlag gab es noch eine Frage des fünfjährigen Sohnes, ein Schwarzer wie sein älterer Bruder, seine Eltern und – Obama. Der Junge wollte wissen, ob sich das Haar des Präsidenten genauso anfühle wie seines. „Finde es selbst heraus“, antwortete der Präsident. Er beugte sich vor, und der Junge betastete prüfend den Kopf des Präsidenten. Genau diesen Moment fing Pete Souza mit seiner Kamera ein.

Der mächtigste Mann der Welt, der vor einem Fünfjährigen den Kopf beugt. Für mich ist dieses Foto ein wunderbares Gleichnis für einen König, der seine Grenzen kennt. Und das auch zeigt. Das Foto ist für mich ein Gleichnis für einen König, der einer von uns wurde. Als Menschensohn. Als Gottessohn. Und als Sohn Davids.

Pfarrer Werner Beuschel