Bilke Epperlein: „Gottes neue Welt nicht im Jenseits verorten“

Lange bevor die Christuskirche am Kapuzinerplatz erbaut wurde, war die Familie Busch in der evangelischen Gemeinde aktiv. Wilhelm Busch beispielsweise war stimmgewaltiger Vorsänger in einer Gemeinde, die vor rund zweihundert Jahren noch nicht über eine Orgel verfügte. Aus dieser ur-reformierten Familie stammt Bilke Epperlein. „Ich gehöre heute zu der Gemeinde, zu der auch schon meine Vorfahren gehörten“, sagt sie. „Kontinuität bedeutet mir etwas.“  Wie ihre Vorfahren engagiert sie sich intensiv in der Gemeinde: nicht als Vorsängerin, sondern als Prädikantin und in der Leitung des Frauenkreises Ohlerfeld.

Seit 2011 ist Bilke Epperlein, die mehr als 35 Jahre lang an Gymnasien in Gladbach und Viersen Englisch, Französisch und später nach dem Absolvieren eines Neigungsfachkurses auch evangelische Religion  unterrichtete, in der Christuskirchengemeinde aktiv. Dass sie eine Prädikantinnenausbildung machte, ist allerdings noch Pfarrer Bassy aus Großheide zu verdanken, der die damalige Presbyterin „anwarb“. Prädikanten durchlaufen eine zweijährige, „Zurüstung“ genannte theologische Fortbildung und werden nach Beendigung in einem öffentlichen Gottesdienst ordiniert. Sie sind in ihren liturgischen Befugnissen Pfarrerinnen und Pfarrern gleichgestellt: sie leiten Gottesdienste, dürfen taufen, trauen und beerdigen.  In der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es rund 860 ehrenamtlich tätige Prädikantinnen und Prädikanten. Bilke Epperlein wurde im Jahr 2000 ordiniert. „Die Ordination ist ein Segen, der mir viel bedeutet“, sagt sie.

Zwischen zwölf und fünfzehn Gottesdienste hält sie im Jahr – nicht eingerechnet die aktive Beteiligung an den inklusiven Gottesdiensten und den Aktionen zum Weltgebetstag. Und einen Gottesdienst vorzubereiten, ist zeitintensiv und mit Arbeit verbunden. Sie nimmt sich acht bis zehn Stunden Zeit dafür. „Mir ist wichtig, zu vermitteln, was christlicher Glaube bedeutet und wie er gelebt werden kann. Und zwar in einer Sprache, die heute verstanden wird“, erklärt sie ihre Motivation. Deshalb predigt sie besonders gern über die Geschichten und Gleichnisse der Evangelien. „Sie machen den Glauben sehr greifbar.“ Persönlich ist ihr die Verheißung eines „neuen Himmels und einer neuen Erde“, wie sie in der Offenbarung formuliert ist, wichtig. Allerdings: „Gottes neue Erde soll nicht im Jenseits verortet werden, sondern deren Aspekte sollen im Leben anklingen“, meint sie. Deshalb ist sie auch seit vielen Jahren in der ökumenisch geprägten Eine-Welt-Arbeit aktiv und arbeitet regelmäßig im Eine-Welt-Laden mit.

In Ohlerfeld hat sie zudem seit 2012 die Leitung des Frauenkreises übernommen, der sich einmal im Monat am ersten Mittwoch trifft. Hier werden regelmäßig aktuelle Themen besprochen, der Singkreis Großheide ist zu Gast, die Polizei informiert oder Referenten tragen vor. Und es wird gefeiert oder weggefahren. Wie jetzt nach Xanten. „Pfarrer Rudolph hat bei der NEW wieder einen Bus besorgen können und ich teste im Vorfeld das Programm, überprüfe Barrierefreiheit und sehe mir die Örtlichkeiten an“, sagt Bilke Epperlein.

Angela Rietdorf