Andacht September 2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Prediger 3,11)

Die Zeit ist die Gegenwart und die Gegenwart hat ihre Zeit. Wir Menschen leben mitten darin. Wir leben im „Hier und Jetzt“. Wir leben in den Alltäglichkeiten unseres Daseins: politische Ereignisse, kulturelle Events, die Gegebenheiten unserer Natur, die persönlichen Beziehungen. Wir leben unsere Wünsche, Träume und Hoffnungen. Wir leben unsere Ängste und entdecken unsere Sehnsüchte.

Manches Mal rast unsere Zeit dahin, dann wieder steht sie oder quält sich von Minute zu Minute, zur Stunde, zum Tag, zur Woche. All` unsere Planung ist Stückwerk und die Erforschung unseres Lebens nur ein Bruchstück des Ganzen. Alles Ordnen ist ein Nebeneinander und ein Hintereinander von Fragmenten unseres Lebens.

Und doch ergibt sich daraus immer wieder ein besonderes Ganzes, etwas Einmaliges, Farbenprächtiges. Jede Schattierung betont die Form eines außergewöhnlichen Momentes. Und der wundersame Zauber, der darinnen liegt, gebiert die Zukunft für den nächsten Augenblick: die Zeit, Lebenszeit, unsere Zeit des Lebens.

Gott hat die Ewigkeit in unsere Herzen gelegt, so heißt es im biblischen Buch Prediger. Zeit ist eben nicht herzlos, starr, kalt oder bitter. Zeit hat Gefühle durch uns und sie lädt uns ein, unsere Gefühle zu leben. Als Menschen können wir das Leben eben nicht bis in die letzten Tiefen, höchsten Höhen und weitesten Fernen ergründen. Leben ist und bleibt uns geschenkt. Leben ist und bleibt verletzliches und gefährdetes Leben. Unser Leben ist aber gut aufgehoben im Großen und Ganzen Gottes. Zeit und Menschen sind Gottes Werk und haben keinen Anfang und kein Ende.

In einem Moment konkreten Leidens ist Zeit für uns Menschen schwer zu ertragen. In einem Moment des Glückes wird sie zum Wunsch, die Ewigkeit an uns zu binden und festzuhalten.

„Alles hat seine Zeit“ heißt es im Buch Prediger in dem Abschnitt, aus dem der Monatsspruch stammt. Und niemand weiß, wann und wie und wo und wie lange die Zeit für uns selbst ist. Daran sollten wir nicht rütteln und dankbar sein, für die Momente die uns gegeben sind, so wie wir es können und vermögen.

Pfarrer Ulrich Meihsner