Andacht September 2017

Siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. (Lukas-Evangelium, Kapitel 13, Vers 30)

Besonders Jungen lieben es, sich zu messen: wer läuft schneller, wer ist stärker, wer ist mutiger oder geschickter? Positiv können sie dabei erleben, die eigene Leistung im Vergleich zu anderen einzuschätzen, sie fühlen sich herausgefordert, sich anzustrengen und sich womöglich zu verbessern. In der Schule dienen die Noten (recht verstanden) diesem Ziel, im Sport ist dieser Wettkampf institutionalisiert, und auch die Marktwirtschaft lebt davon.

In letzter Zeit ist mir aber immer häufiger eine merkwürdige Form des Wettbewerbs aufgefallen: das „Ranking“ (zu deutsch: die Rangordnung), überall und für alles, für Krankenhäuser und Bücher, Manager und Universitäten. Der positive Effekt solcher Rangordnungen erschließt sich mir immer weniger. Da werden z.B. immer mal wieder „unsere Besten“ im Fernsehen gewählt: die besten deutschen Komiker, Orte, Fußballer. Unter den Musikern landete Johann Sebastian Bach auf Platz 34, weit hinter Roy Black. Auf welcher Ebene wird da eigentlich eine Rangordnung herzustellen versucht? Die Konzentration auf die Rangfolge verwirrt die Kriterien, und der krampfhafte Blick auf den Besten lässt die vielen Guten, die in ihrer Zeit mit ihren Herausforderungen Tolles geleistet haben und leisten, aus dem Blick geraten. Auch in der Rangordnung der Einträge von Internet-Suchmaschinen geht es nicht um Qualität – nicht nur Schüler müssen das oft mühsam lernen: nicht das, was in der Liste oben steht, bietet mir automatisch die beste Information.

Im Monatsspruch heißt es: „Siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein.“ (Lk 13,30) Bei Gott kommen unsere Rankings ins Wanken. Maria hat wuchtig davon gesungen in ihrem Lied (Lk 1). Die Arbeiter im Weinberg haben es unter Murren gelernt (Mt 20). Vor Gott können wir uns nicht selbst wichtig machen – und brauchen es auch nicht! Im Geschenk seiner Gnade ruft er uns zu sich. Mehr braucht es nicht. Dabei sein ist alles! 

Pfarrer Stephan Dedring