Andacht Oktober 2017

„Bei den Engeln Gottes wird Freude sein über eine sündige Person, die umkehrt.“ (Lukas 15,10)

Wieso…

… ist das Licht im Herbst eigentlich so schön?

Ich kenne ganze Bücher, die nur vom Licht im Herbst inspiriert sind. Und ganze Spaziergänge, die nur nach diesem schräg einfallenden, gelb getönten Strahlen zwischen den Bäumen suchen. Schon klar, Erdneigung, Luftkonsistenz, Wechsel der Jahreszeiten, hmhm, aha, alles sehr gut und richtig - aber wieso ist das Licht im Herbst denn nun so schön?

Sie haben sicher Ihre ganz eigene Antwort. Meine ist: Weil ich stehenbleibe und es ansehe. Das sind kostbare Momente. Besonders jetzt: Denn, mag es am Sammler-Jäger-Erbe tief in unseren Genen liegen oder am Jagdrhytmus der neuzeitlichen Wirtschaftslage: Gerade im Herbst, zwischen Sommerpause und Weihnachtswelle haben viele das Gefühl, nochmal richtig ran zu müssen. Und (da erzähle ich keinem was Neues) die To Do-Spirale aus „Mach ich noch schnell“ und „Dann kann ich ja auch noch eben“ ist ein Trugschluss, und schnell wird es einfach immer mehr.

Schneller abhaken und größere Post-It-Zettel sind nicht das Mittel der Wahl, um intensive Arbeitstage zu entschleunigen. Stehenbleiben ist eins. Gehen Sie spazieren. Oder, bleiben Sie einen Moment am Fenster stehen (und bitte, einmal ist es egal, ob es geputzt ist). Ein Moment auf der Suche nach dem Licht: Strahlt die Sonne vielleicht schon den ganzen Nachmittag zu Ihnen herein? Oder ist sie heute eine neblige Scheibe hinter Wolken, die dem Herbst zu Recht seinen Ruf als Zeit der Sagen und Legenden einbrachte? Das sind kostbare Momente: Besonders jetzt.

Der Herbst ist eine großartige Zeit, lassen Sie sich von niemanden was anderes erzählen. Eine großartige Zeit, mal stehenzubleiben. In einem Gefühl von: „Jetzt gerade ist gut.“ So einen Moment meint ein altes Wort, das Luther sehr wichtig war: ‚Umkehr‘. Umkehren, einen anderen Weg als sonst nehmen, anders zu denken oder auszubrechen, das kann auch heißen: stehen zu bleiben.

„Bei den Engeln Gottes wird Freude sein über eine sündige Person, die umkehrt.“ (Lukas 15,10)

Diesen Satz schrieb Lukas vor fast 2000 Jahren und auf Griechisch. In unsere Zeit und Sprache kann man das ungefähr so übersetzen: „Du, Mensch, der du vor lauter Stress nicht mehr zu Atem kommst. Du, Mensch, die du dich selbst und deine Mitmenschen nicht mehr siehst. Du, Mensch, der du auch nicht mehr fragst, was eigentlich noch gut und nötig ist -  weißt Du: Hab Mut, mal stehenzubleiben. Und zwar nicht nur, weil das Licht dann schöner ist. Sondern auch, weil Du geliebt bist: Denn Freude wird sein über jeden einzeln, der umdenkt. Umkehrt. Stehenbleibt.“

P.S. … und für alle, die von ihren Unterlagen aufschauen und sich fragen: „Was?? Gerade jetzt?“: Ich denke, dass Gott nickt und lächelt: „Besonders jetzt.“

Vikarin Anna Berkholz