Andacht Mai 2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräerbrief 11,1)

"Gentlemen: Ihr werdet diesen Tag niemals vergessen. Den Tag, an dem ihr Cap-" Weiter kommt er nicht, denn damit stolpert er rückwärts die Klippen herunter, entkommt den Soldaten, die ihn umzingeln, und landet unversehrt im Wasser. Captain Jack Sparrow, wie er sich für gewöhnlich vorstellt, ist Pirat und nicht nur Kinogängern bekannt. Mit unerschütterlicher Zuversicht ist er unterwegs, und zwar mit Vorliebe dem Unerreichbaren hinterher, und mindestens bis zum Horizont.

Nochmal zurück zu diesen Klippen: Eigentlich ist das ein unnmögliches Fluchtmanöver - wieso gelingt es trotzdem? Möglicherweise, weil Jack rückwärts geht. Er hat nicht groß darüber nachgedacht, vor allem: Nicht gezweifelt. Jack Sparrow hat sozusagen einen festen Glauben. (So fest, dass er nicht einmal hinsehen muss.) Es ist der Glaube daran, dass natürlich er Captain seines Schiffes ist - auch wenn das in der Realität gerade anders aussieht. Und es ist der Glaube daran, dass der nächste Schritt gelingt.

Meine Wege finden zwar nicht in der Karibik statt. Aber auch ich hab meine Stürme und Klippen. Ich kenne Momente, die gegen die Hoffnung sprechen, und dann kenne auch ich das Zweifeln und das Kopfschütteln. Ich kenne das im Großen, beim Blick auf die Kämpfe dieser Welt, und auf die Menschen, die nur Anschuldigungen kennen. Oder im Kleinen, beim Blick in meine Welt, wenn kein Schritt richtig scheint und nichts mehr sicher ist.

Und dann könnte auch ich eine Prise Pirat gebrauchen: Ich brauche die Ermutigung, den Blick auf das zu richten, was ich hoffe. Mich nicht vom Zweifel packen und einschüchtern zu lassen. Mich an dem festzuhalten, was ich glaube. Denn wie im Brief an die Hebräer festgehalten ist, die Kraft liegt nicht im Zweifeln. Die Kraft liegt in der Hoffnung:

Es ist eine Kraft, die aus dem Glauben wächst: Ich glaube an ein Leben, das von Gott geschaffen und gewollt und jeden Tag begleitet ist. Und es ist eine Kraft, die selber etwas wachsen lässt und wirkt, und zwar in Richtung Zuversicht: Ich bin zuversichtlich, dass Gottes Kraft zur Liebe in der Welt am Werk ist. Im Großen wie im Kleinen, und auch in meiner kleinen Welt. Und damit ist die Hoffnung selber eine Kraft: Sie ist die Kraft gegen den Zweifel, sogar, wenn mal der Boden wankt, oder manches dagegen spricht. Es ist diese Kraft, die mir den nächsten Schritt zeigt und den Boden wieder fest macht. Es ist die Kraft der Hoffnung, die den Weg verändert. Und es ist diese Hoffnung, die den Aufbruch lohnt, ob langsam und geplant oder mit einem Sprung rückwärts ins Wasser. Im unerschütterlichen Glauben an das Captain-Sein, mit oder ohne Schiff, und damit: Auf zum Horizont!

Anna Berkholz

Vikarin der Friedenskirchengemeinde Mönchengladbach