Andacht Juli 2018

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den Herrn zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt! (Hosea 10,12)

Am Ende wird es regnen. Am Ende des Lebens. Am Ende der Zeit. Und dieser Regen wird willkommen sein. Da wird kein Schirm herausgeholt, da wird keiner im Regen stehen gelassen. Am Ende wird man singen und tanzen im Regen. I'm singing in the rain. Vielleicht sogar auch barfuß im Regen. Dieses Glücksgefühl, das die Liedermacher unserer Zeit mit dem Himmelsnass auch verbinden, meint der Prophet Hosea.

Es ist ein besonderer Regen, der kommen wird. Nämlich der Regen der Gerechtigkeit. Er wird kommen wie Gott selber kommen wird. Ganz handfest bewässert er schon jetzt von oben uns "stolze Menschenkinder", die wir bei näherem Hinsehen doch allesamt ""eitel arme Sünder" (Matthias Claudius) sind. Unterschiedslos. Schon jetzt lässt er regnen über Gerechte und Ungerechte, wie es Jesus in seiner Bergpredigt sagt. Aber dann setzt noch einmal ein besonderer Regen ein. Nämlich der Regen der Gerechtigkeit. Dann werden die Verhältnisse wieder in Ordnung sein. Dann bekommt jeder Mensch das, was er braucht. Dann wird ein jeder in einem Augen-Blick der Liebe der sein, der er eigentlich sein sollte. Gottes Augen können das.

Aber was ist jetzt? Noch ist Zeit, Lebenszeit, Weltenzeit. Soll man bloß warten auf den großen Regenmacher und die Hände einstweilen in den Schoß legen? Nein, sagt jener Gottesmann im alten Israel. Tut das, was an der Zeit ist. Säet Gerechtigkeit. Lasst die Menschen schon jetzt spüren, dass die Verhältnisse wieder in Ordnung kommen. Gebt jedem das, was er zum Leben braucht. Zu einem menschenwürdigen Leben. Seht in jedem Menschenkind auch das Gotteskind.

Merkwürdig: da wird es am Ende Gerechtigkeit regnen, aber schon jetzt soll sie gesät werden. Eigentlich ein schiefes Bild. Ein Saatkorn ist etwas anderes als ein Regentropfen. Mit dem einen muss ich ackern, auf das andere kann ich nur hoffen. Aber genau mit diesem Bild bringt der Prophet Hosea den biblischen Glauben auf den Punkt. Alle Mühe und Arbeit lebt von der Hoffnung. Und vom Glauben. Und von der Liebe. "Bete, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeite, als ob alles Beten nichts nützt." Das soll Martin Luther gesagt haben. Er hat gewusst, was es heißt, Gerechtigkeit zu säen und gleichzeitig auf einen Gott zu hoffen, der am Ende Gerechtigkeit regnen lässt.

Pfarrer Werner Beuschel