Andacht Dezember 2017

Die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lukas 1, 78f.)

Was wäre die Welt ohne Weihnachten?! „Ruhiger“ werden die einen sagen; „friedlicher“ die anderen und wieder andere werden antworten: „Einfach besser!“

Dabei: Ruhe, Frieden und ein wenig „heile Welt“ – das ist doch in dürren Worten ein nicht unerheblicher Teil der Weihnachtsbotschaft. Gewiß nicht alles, aber von irgendwoher muß doch diese manchmal so tiefe Sehnsucht nach alledem kommen! Von irgendwoher muß doch diese Ahnung stammen, daß der tägliche Wahnsinn im Großen und Kleinen nicht alles sein kann, sein darf, ist! Von irgendwoher müssen doch die menschlichen Reserven zum Gutsein aufgefüllt werden, denn die werden ganz schön strapaziert in einer Welt, in der immer noch der Stärkere, Kältere, Brutalere, Herzlosere – ja, der Verrücktere das Sagen hat.

Weihnachten füllt die Tanks der Sehnsucht auf. Wenn man sich noch dafür öffnet und das heißt: Wenn man überhaupt noch Gefühle und einen Zugang zu diesen hat. Freilich: Es sind die Tanks der Sehnsucht, nicht der Erfüllung! Die ist geschehen im Himmel wie auf Erden, darum wird es unter dem Himmel auch immer Menschen geben, die von ihr leben – eben mit der Sehnsucht. Auch mir sind Weihnachtsstreß und Familienkrach nicht völlig unbekannt. Auch meine Nerven liegen im Dezember bisweilen blank und auch mein Terminkalender kann all das kaum fassen, was getan werden muß. Aber dann – wenn alles getan ist, wenn endlich Ruhe einkehrt, wenn die Lichter am Baum brennen und es nach eben: Weihnachten riecht, dann nehme ich gerne meine Frau in den Arm, meine Kinder und denke, fühle, erlebe: So kann das Leben auch sein! Und tiefe Dankbarkeit durchflutet mich.

Es sind geschenkte Momente, nicht planbar, aber irgendwann in diesen Tagen – alle Jahre wieder – gibt es sie. Es gilt, sie nicht zu verpassen. Und sie nicht als Erfüllung sämtlicher göttlicher Verheißungen zu verstehen. Sie zeigen vielmehr, wie es sein kann, wenn Versuch und Geschenk zusammenfinden, wenn der Himmel ein Einsehen mit meiner geplagten Seele hat, wenn wir es uns gefallen lassen! Wir – unsere Familie, wer auch immer. Denn solche Momente gibt es nicht nur im eigenen Haus.

Und dann wird es barmherzig: Die Tage „zwischen den Jahren“. Wenn alle und alles ein wenig runterfährt. Wenn plötzlich Zeit da ist in dieser „zeitlosen“ Zeit. Wenn man miteinander spricht, so anders als sonst; wenn die Nachbarn spontan zum Essen „einschneien“ und man beim Italiener immer mehr Tische zusammenrücken muß, weil da so viele Menschen sind, die sich kaum kennen und doch eine Menge Gutes zu sagen haben – und man sich fragt, warum das nicht auch sonst im Jahr möglich ist?!

Ja: Weihnachten ist ein Geschenk an uns. Ein Bastelsatz, der unser Mittun und Weitermachen erfordert. Doch dann zeigt es, was in ihm steckt. Ein Licht, das uns erscheint, die wir oft genug in Finsternis und Todesschatten (der letzte Tod muß nicht immer der schlimmste sein!) unser Dasein fristen. Darum und bei allem und trotz allem: Ich freu´ mich drauf!

Und wünsche mir, daß meine Freude ansteckt. Sie zum Beispiel…

Gesegnete, lichtvolle, friedliche – wunder-volle Tage in dieser besonderen Zeit wünscht Ihnen

Ihr   Pfarrer Dr. Karl-Heinz Bassy