Andacht August 2017

1.Mose 50,20: Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.

W„Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Dieser Satz steht am Ende des 1. Buches Mose. Josef antwortet damit auf die Furcht seiner Brüder, dass er sich für die erlittenen Misshandlungen und den Verkauf in die Sklaverei rächen könnte. Doch Josef verhält sich ganz anders: er vergibt und wendet das Böse zum Guten.

„Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Dieser Satz kann auch als Überschrift über dem Schicksal der Pakistanerin Malala Yousafzai stehen, die am 12.Juli ihren 20. Geburtstag feierte. Sie setzte sich schon als Jugendliche für das Recht der Mädchen auf schulische Bildung ein und geriet dadurch ins Visier der Taliban, die in Pakistan an Einfluss gewonnen und 2007 damit begonnen hatten, Schulen für Mädchen zu zerstören, ihnen den Schulbesuch, das Hören von Musik, das Tanzen und das unverschleierte Betreten öffentlicher Räume zu verbieten. Am 9. Oktober 2012 verübten die Taliban ein Attentat auf sie und verletzten sie lebensgefährlich. Doch brachten sie die junge Frau damit nicht zum Schweigen – im Gegenteil: Malala Yousafzai bekam weltweite Aufmerksamkeit für ihr Anliegen; im Dezember 2012 wurde in Zusammenarbeit mit der UNESCO der Malala-Fonds gegründet, um weltweit das Recht von Kindern auf Bildung durchzusetzen; 2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis.

„Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Das ist kein Satz, der die Welt rosarot beschreibt, aber er malt sie auch nicht in schwärzesten Farben. Das Böse stößt an Grenzen. Oder wie es der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, konfrontiert mit dem grenzenlos Bösen des Nationalsozialismus, sagte: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“

Wolfgang Hess