In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der 2. Ökumenische Kreuzweg für Gerechtigkeit beginnt in der evangelischen Hauptkirche und führt durch Rheydt. Auf dem großen gelben Kreuz, das zu Beginn in der Hauptkirche steht, wird eine entscheidende Frage gestellt. „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ steht da in großen schwarzen Lettern. Die Antwort steckt schon im Namen der Veranstaltung, für die das Kreuz steht: der Ökumenische Kreuzweg für Gerechtigkeit macht einen Mangel und ein Ungleichgewicht in der Gesellschaft aus. Pfarrer Stephan Dedring ruft zum Auftakt des Kreuzwegs  in der Hauptkirche deshalb auch zum Einsatz für Solidarität und Gerechtigkeit auf. Gerechtigkeit, so Dedring, könne im christlichen Sinn als Liebe verstanden werden.

Rund hundert Teilnehmer haben sich am späten Donnerstagnachmittag in der Kirche versammelt. Eingeladen zur Teilnahme hat wieder der Katholikenrat Mönchengladbach, der schon für die Premiere des Kreuzwegs im letzten Jahr im Gladbacher Zentrum verantwortlich war. Immer gemeinsam mit Partnern vor Ort. „Diesmal sind vor allem Rheydter Akteure dabei“, erklärt Hans-Peter Katz vom Katholikenrat den Wechsel von einem Stadtzentrum ins andere. Der Katholikenrat Mönchengladbach sieht sich als Vertreter der Laienchristen, die sich ganz im Sinn von Papst Franziskus für das Grundrecht auf ein würdiges Leben für alle einsetzen.

Nach dem Auftakt in der Hauptkirche ziehen die Teilnehmer singend über sechs Stationen durch die Rheydter Innenstadt. Jede Station wird von einer der teilnehmenden Institutionen mit nachdenklichen Texten gestaltet. An der Limitenstraße macht der Zug zum ersten Mal halt. „Teilen macht reich“ lautet hier das Motto. Schwester Luzia, als Steyler Missionsschwester im TaK, dem Treff am Kapellchen an der Rudolfstraße, tätig, erzählt eine Geschichte. Von Emil, dem Flaschensammler, der regelmäßig das TaK besucht und eines Tages eine weggeworfene Aloe Vera-Pflanze mitbringt. Die Schwester solle sie doch bitte pflegen. „Man kann doch nicht einfach ein Lebewesen wegschmeißen“, meint er. Und Schwester Luzia sagt: „Emil lehrt mich, wie kostbar jedes Leben ist.“ Solidarität und Gemeinschaft ist im TaK besonders wichtig. Deshalb ist es für Henry, den regelmäßigen TaK-Besucher, selbstverständlich, den Kreuzweg mitzugehen. „Es ist wichtig, dass jemand aus dem TaK dabei ist. Ich kann doch die Schwester nicht allein lassen“, stellt er fest.

Immer dem großen gelben Kreuz und dem Banner folgend, neugierig betrachtet von überraschten Passanten bewegt sich der Zug weiter durch Rheydt, macht am Karstadt-Gebäude, an der Waisenhausstraße, am Harmonieplatz und am Marienplatz Halt und bedenkt die Situation von Menschen in unserer Gesellschaft und Fragen von Gerechtigkeit, Solidarität und Gemeinschaft. Die evangelische Jugendkirche Rheydt beantwortet die Frage nach der lebenswerten Gesellschaft mit einem großen Knall: Beschriftete Luftballons werden zum Platzen gebracht. Schüchternheit macht so Platz für Mut, Unsichtbarkeit wird zum Gesehenwerden.

Zum Schluss haben die Teilnehmer im Jugendzentrum St. Marien Gelegenheit, sich bei Brot und Wein auszutauschen und zu erholen.