Weibliche Reformation: Von der Pfarrfrau zur Bischöfin

Im Frauenmuseum Bonn läuft zurzeit eine Ausstellung mit dem Thema „Katharina von Bora. Von der Pfarrfrau zur Bischöfin“. Dahinter verbirgt sich ein Gang durch die Reformationsgeschichte, der zum Ziel hat, weibliches Schaffen und den Einfluss von Frauen in der reformatorischen Bewegung und der evangelischen Kirche aufzuzeigen.

Grundanliegen des Museums und der aktuellen Ausstellung ist ein urfeministisches. Frauen aus Geschichte und Gegenwart, die aus der Rezeption verdrängt wurden oder werden, sollen sichtbar gemacht oder neu gedeutet werden. So wurde und wird die geistige und künstlerische Arbeit von Frauen häufig ignoriert, weil sie angeblich nicht innovativ oder durchdacht ist. Die Ausstellung zeigt deutlich, wie falsch diese Annahme ist. Katharina von Bora, die nicht nur Ehefrau Luthers, sondern auf vielfältige Weise eine Unterstützerin der Reformation war, ist dabei nur eine von vielen. Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit der außerhalb der Fachwelt eher unbekannteren Bibelexegetin Argula von Grumbach oder der Predigerin Katharina Zell. Dabei wird ein besonderer Fokus auf den zweischneidigen Einfluss der Reformation auf Frauen gelegt. Zum einen führte die These vom Priestertum aller Gläubigen zur Möglichkeit des Predigens, der Exegese und letztlich auch des Priesteramtes für Frauen. Auf der anderen Seite galt die Ehe wegen der Ablehnung des Klosterlebens als einzige Institution, die für Frauen angemessen erschien.

Der Blick der Ausstellung erstreckt sich bis in die jüngere Vergangenheit. Die kirchlichen Einflussmöglichkeiten für Frauen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark vergrößert. 1958 wurde das Pfarramt für Frauen eingeschränkt geöffnet. Die volle Gleichberechtigung erfolgte in der rheinischen Landeskirche erst 1975. In den letzten Jahren prägen weibliche Presbyteriumsvorsitzende, Oberkirchenrätinnen, Superintendentinnen und Bischöfinnen in zunehmendem Maße das Bild der evangelischen Kirche.

Bemerkenswert sind auch die anderen Bereiche der Ausstellung. Neben den Informationen zum Thema Frauen in der Reformationsgeschichte, werden auch Werke von Gegenwartskünstlerinnen sowie Künstlerpaaren ausgestellt, die sich dem Thema Reformation und Religion zum Teil mit viel Witz und Ironie widmen. So verweist das Bild „Ohne Gans kein Martin“ von Christine Theile auf die essenzielle geistige und praktische Hilfe, die Katharina von Bora und viele andere Frauen ihren Männern boten und bieten und ohne die deren Arbeit kaum möglich wäre. Wichtig und bereichernd ist der Schwerpunkt auf Werke weiblicher Künstlerinnen ebenfalls, weil die meisten großen Museen auch heute noch Werke von Künstlerinnen nur in Sonderausstellung zeigen und kein Bewusstsein dafür zu haben scheinen, dass sie schwerpunktmäßig Kunst von Männern ausstellen.

Dabei spart die Ausstellung auch nicht mit dem wichtigen Verweis auf den problematischen Umgang mit Frauen in der evangelischen Kirche. Aussagen Luthers über Frauen werden ebenso analysiert wie die Hexenverfolgungen.

In der Ausstellung wird schnell klar, dass das Thema Frauen und Religion, das seit einigen Jahren verstärkt im wissenschaftlichen Betrieb diskutiert wird, auch in der Praxis ankommt. Das Frauenmuseum, das sich allgemein auf weibliche Persönlichkeiten, Frauengeschichte und das Thema Gender spezialisiert hat, wurde 1981 als erstes Museum mit diesem Schwerpunkt gegründet und versucht derzeit den Sprung zur Selbstfinanzierung zu schaffen.

Die Ausstellung läuft bis zum 31.10.2017 im Frauenmuseum Bonn, Im Krausfeld 10, 53111 Bonn. Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4,50 Euro. Telefon: 0228 - 69 13 44.

Helen Beckers