Reformationssynode in Rheydt: Gemeinsamer Weg mit den Kirchen des Südens

Die Veranstaltung selbst ist die Botschaft. Zum ersten Mal in 500 Jahren gibt es eine gemeinsame Synode der vier evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen. Mit dabei sind außerdem als stimmberechtigte Delegierte Vertreter von Partnerkirchen – aus den Nachbarländern Belgien oder den Niederlanden, aber auch aus Namibia, Marokko, Tansania oder Indonesien.  Es geht darum, Gemeinschaft zu suchen statt Trennendes zu betonen. Dazu passt auch die Unterzeichnung des Ökumenischen Briefs durch Präses Rekowski und Bischof Dieser.

Die Synode stellt sich unter das Wort des Propheten Jesaja: „Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück“. Die Teilnehmer sind aufgefordert, dieses Leitwort auf dem Hintergrund ihrer Erfahrungen und jeweiligen Bedingungen zu interpretieren. Das Kleeblatt, die vier gastgebenden Kirchenkreise, erinnert dabei an das von der Landessynode verabschiedete „Wirtschaften für das Leben“, in dem es heißt: „Unser gemeinsamer Weg mit den Kirchen des Südens beginnt in unseren Herzen und in unseren Köpfen, in unserem Glauben und unserer christlichen Hoffnung, die Qualität von Leben nicht nach den Spielregeln von Kaufen und Haben definiert.“ In den Statements der einzelnen Partnerkirchen werden die unterschiedlichen Ansätze christlich-reformierten Denkens deutlich. Während die belgischen Vertreter über Kirche in einer säkularisierten Welt nachdenken, sind die Christen im muslimischen Indonesien in einer Minderheit und stehen vor anderen Herausforderungen. „Als Teil eines Entwicklungslandes leben viele von uns noch in Armut. Durch den Diakonischen Dienst sind wir gerufen, unsere Liebe durch Hilfe für Menschen in Not zu zeigen, wie Jesus es tat.“ Die evangelische Kirche in Marokko liest Jesaja 55 als messianischen Text und betont unter anderem das Geheimnis der Versöhnung: die tiefgreifende Versöhnung, die sich über Reue ereigne, bedeute eine Zusammenarbeit und ein Teilen unter Völkern und Nationen.

Die Reformationssynode dient dem offenen Austausch von Ideen und Visionen über Sprach-und Kulturgrenzen hinweg auf Grundlage des gemeinsamen christlichen Glaubens, Beschlüsse werden im Konsensverfahren erzielt.

Die Suche nach Gemeinsamkeiten, nicht nach Trennendem, steht auch im Mittelpunkt des Ökumenischen Briefs, der vom Aachener Bischof und dem Präses der EKiR  am zweiten Tag der Synode unterzeichnet wird. Der Brief soll zur Vertiefung der ökumenischen Zusammenarbeit ermutigen und fordert dazu auf, mit einer Stimme zu sprechen. Verschiedene Möglichkeiten ökumenischer Kooperation werden aufgelistet. Leider werden die Hemmnisse, die einer echten Weiterentwicklung der Ökumene momentan im Wege stehen, konsequent ausgespart und nicht benannt. Die Frage der gegenseitigen Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie wird ebenso wenig wie das Ämterverständnis  thematisiert. Vielmehr werden die Gemeinden aufgefordert, die theologischen Gespräche der Kirchen mit Interesse und Gebeten zu begleiten und das Erreichte zu würdigen. Dass aus dieser Haltung ein neuer Schwung für die Ökumene vor Ort entsteht, wie es die Verfasser wünschen, erscheint, vorsichtig ausgedrückt, überaus optimistisch. Dennoch stellt die Rahmenvereinbarung für ökumenische Partnerschaften zwischen Gemeinden einen richtigen Schritt hin zu einer strukturell verankerten Ökumene dar.

Angela Rietdorf