Luther mit jungen Augen gesehen

Die Ergebnisse sind erstaunlich vielfältig – bunt oder schwarzweiß, mit Bildern oder mit Worten spielend, mit historischen oder aktuellen Bezügen, theologisch oder musikalisch ausgerichtet, in Pop Art, als Comic oder abstrakt, aus der Sicht evangelischer oder katholischer, muslimischer, hinduistischer oder konfessionsloser junger Menschen. Die Ausstellung mit Plakaten, die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Platz der Republik  zum Thema Reformation entworfen haben, überrascht durch ihre unterschiedlichen Ansätze und die Ernsthaftigkeit, mit der die jungen Künstler die Thematik angegangen sind.

Fünf Abschlussklassen der Höheren Berufsfachschule für Gestaltungstechnische Assistenten haben sich im Rahmen des Religionsunterrichts mit Luther und seiner Zeit, der Reformation und ihren Auswirkungen beschäftigt und ihre Ideen in die Gestaltung von Plakaten einfließen lassen. Rund hundert ausdrucksstarke Entwürfe sind so entstanden, mehr als vierzig sind jetzt im Ev. Krankenhaus Bethesda der Johanniter zu sehen. „Die Schüler konnten sich mit einer Materialsammlung beschäftigen, die ihnen während des Unterrichts zur Verfügung stand“, erklärt Pfarrer Rainer Pleißner, Lehrer und Projektleiter. „Sie haben darin gestöbert und viele haben sich auch festgelesen.“ Auch der Lutherfilm diente als gemeinsame Basis der Auseinandersetzung mit der Reformation. Die Schülerinnen und Schüler haben dann jeweils ihren eigenen Akzent in der Gestaltung  gesetzt. Michelle Lehmann beispielsweise hat sich von der Thesentür inspirieren lassen. Auf lila Grund ist die Tür der Schlosskirche von Wittenberg zu sehen, geformt aus Worten. Der Portalbogen wird aus Begriffen der Reformation gebildet, die Tür aus dem Vorspann der 95 Thesen. Michelle Nix hat die reformatorische Botschaft in einen  Comic verwandelt. „Ich wollte einen jugendlichen Zugang wählen und die Kernbotschaft übermitteln“, erklärt sie. Milena Thimm hat sich von der Hymne der Reformation „Ein feste Burg ist unser Gott“ anregen lassen. Ein Bild des jungen Luther und handschriftliche Noten dominieren das Plakat. „Ich habe jetzt einen anderen Bezug zu Luther“, sagt sie. Die Beschäftigung mit seinem Wirken sei sehr faszinierend gewesen. „Es hat mich sehr beeindruckt, was ein einzelner Mensch bewirken kann“, erklärt auch Lisa Fortuin, die mit ihrem Plakat die Auswirkungen der reformatorischen Bewegung auf ganz Europa aufgreift. Eine Hinduistin hat das Plakat geschaffen, das auf die gesamte Ausstellung aufmerksam macht: Brundha Sathiaseela hat 500 Quadrate verschiedener Farbschattierungen gewählt. Die roten Quadrate – Rot als Farbe der Dynamik, der Leidenschaft, der Freiheit und des Kampfes – bündeln sich an der Stelle, an der auf einer Deutschlandkarte Wittenberg liegt. Viele andere Ideen wurden von den jungen Gestaltern aufgegriffen:  eine Verbindung zwischen der Lutherrose und dem Hugenottenkreuz, das Schwanenmotiv, das die Linie zum frühen Reformator Jan Hus zieht, die vier Soli, die die wesentlichen Erkenntnisse der Reformation bündeln – allein die Schrift, allein der Glaube, allein die Gnade, allein Christus.

Die Ausstellung, die durch den Johanniterorden tatkräftig unterstützt wurde,  ist noch bis zum 20. Juli im Bethesda zu sehen und wandert dann in ein weiteres Johanniterkrankenhaus nach Bonn.

Angela Rietdorf