Ein Dornröschen wird wachgeküsst

In der Friedenskirche in Eicken wird die romantische Seifert-Orgel restauriert.

Zwei Weltkriege hat sie unbeschadet überstanden, nicht aber den Wandel des Geschmacks in den 1960er Jahren. Die romantische Seifert-Orgel in der Friedenskirche wurde von rund fünfzig Jahren stillgelegt. Die Gottesdienste werden seither durch die neoromantische Hammer-Orgel begleitet, die sich im rückwärtigen Teil der Kirche befindet. Optisch dominiert aber noch immer die in die Ostwand eingelassene Seifert-Orgel, die mit Abendmahlstisch und Kanzel eine Einheit bildet. Nun soll sie auch wieder zum Klingen gebracht werden. Der neugegründete Orgelbauverein hat sich zum Ziel gesetzt, die Hälfte der Restaurierungskosten -  rund hunderttausend Euro -aufzubringen, die andere Hälfte übernimmt die Friedenskirchengemeinde.

Die Seifert-Orgel in Eicken ist die einzige original erhaltene romantische Orgel in evangelischen Kirchen der Region. Sie wurde in den Jahren 1903 und 1904 von der in Köln und Kevelaer ansässigen Firma Seifert geschaffen. Geadelt wurde sie durch Albert Schweitzer, der bei seinem Aufenthalt in Mönchengladbach von Umbauplänen erfuhr, auf der Orgel spielte und beschied: „Das Örgelchen lassen Sie mal so, meine Herren.“

Romantische Orgeln klingen völlig anders als barocke oder neobarocke. „Neobarocke Orgeln haben sehr viele helle Register“, erklärt Gerd Acker, Organist und Mitglied im neu gegründeten Orgelbauverein. „Eine romantische Orgel klingt dagegen sehr viel wärmer. In der Romantik spielt das Gefühl eine große Rolle.“

Bei der Stilllegung in den Sechziger Jahren wurden Windmaschine, Windanlage und einige Pfeifen, zum Teil auch ganze Register entfernt. Als in der Gemeinde Überlegungen angestellt wurden, um die Orgel, die man statisch ohnehin hätte stabilisieren müssen, zu restaurieren, nahm sie ein Orgelbauer nach 50jährigem Schweigen probeweise in Betrieb. „Mir schossen die Tränen in die Augen, als ich diesen Klang hörte“, sagt Herbert Schimanski, Krankenhauspfarrer in Maria Hilf und ebenfalls im Orgelbauverein aktiv. Auch der Orgelsachverständige der evangelischen Landeskirche war beeindruckt. Er nannte die Orgel ein Dornröschen, das wachgeküsst werden müsse.

Die Friedenskirchengemeinde hat sich nun tatsächlich zum Wachküssen entschieden und auch bereits den Auftrag an den Mönchengladbacher Orgelbauer Martin Scholz vergeben. Rund zweihunderttausend Euro werden nötig sein, um die Orgel wieder zum Leben zu erwecken. Wenn sie wieder erklingt, dann kann sie auch gemeinsam mit der neobarocken Hammerorgel gespielt werden. Die beiden Orgeln sind im Klang grundverschieden, aber auf die gleiche Tonhöhe stimmbar. . „Dann entsteht etwas Neues“, meint Acker. „Barock und Romantik reichen sich die Hand.“

Bis es soweit ist, muss der Orgelbauverein aber noch einiges an Spenden akquirieren. Manfred Petzold ist auf der Suche nach Sponsoren, um die Spenden der Vereinsmitglieder zu ergänzen. „Ich kann mir auch Patenschaften für Orgelpfeifen vorstellen“, sagt er. Der Orgelbauer wird  jedenfalls noch in diesem Jahr mit seiner Arbeit beginnen. „Ich wage vorauszusagen, dass nach unserem heutigen Hörgeschmack der runde, grundtönige und warme Klang der Seifert-Orgel den der Hammer-Orgel absolut in den Schatten stellen wird“, prognostiziert Kantor Udo Witt von der evangelischen. Hauptkirche in Rheydt.

Der Orgelbauverein hat auch eine Webseite: http://orgeln-friedenskirche-moenchengladbach.de