Flucht

Maria und Josef auf dem Weg… diese Szene kennt man aus zahllosen Krippenspielen und Weihnachtsbüchern. Auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem zur Geburt des Kindes. Nicht freiwillig, da eine Volkszählung zu Steuerzwecken Josef in seine Vaterstadt Bethlehem führte. Maria, seine Verlobte war schwanger. Wer genau auf das Titelbild schaut, wird aber schnell bemerken, dass hier etwas nicht stimmen kann.Maria hat das Kind bereits im Arm. Wie das? Was viel weniger bekannt ist:  Auch nach der Geburt sind Maria und Josef wieder auf dem Weg, diesmal mit dem Kind, wieder unfreiwillig, von Bethlehem nach Ägypten, da König Herodes das Kind töten will, eine Andeutung der drei Weisen aus dem Morgenland missverstehend, dass der König der Juden geboren sei. Jesus wurde so in Ägypten zum politischen Flüchtling mit seiner Familie. Der Evangelist Matthäus erzählt die Geschichte. Jahrelang werden sie in der Fremde bleiben, bis die Verfolger gestorben sind und die Heimkehr sicher ist.
Wenn wir in diesen Monaten in Deutschland über die Flüchtlingsfrage diskutieren, geht mir diese Geschichte nicht aus dem Kopf, die diese Fragen in das Zentrum des Evangeliums rückt. Was tun? Fragt die Politik und die Gesellschaft, voller berechtigter und ernstzunehmender Sorgen. Was tun? Fragen sich auch die Gemeinden und neben ihnen viele andere engagierte Bürger. Allein auf dem Gebiet der Friedenskirchengemeinde haben wir sechs Flüchtlingsunterkünfte. Wir können die Menschen in unserer Mitte nicht ignorieren. Für ein Engagement sprechen zwei Gründe: Erstens die christliche Nächstenliebe, die nach der Bergpredigt auch dem Feinde gelten soll, damit aus Feinden Freunde und aus Fremden Mitbürger werden. Sie fragt nicht nach der Person, Religion, Herkunft, sondern allein nach der Bedürftigkeit. Und ein anderer, ebenso wichtiger Grund: Die Menschen, die zu uns kommen, werden nach den Gesetzen unseres Rechtsstaats voraussichtlich bleiben dürfen. Und dann ist es wichtig, das Integration, Anerkennung, Kontakt mit der Gesellschaft von Anfang an geschieht, damit sich keine Parallelstrukturen und Frustrationen aufbauen. Daher sind wir an verschiedenen Stellen engagiert. Und geben im Heft einige Einblicke in die Arbeit vor Ort, einige Beispiele von vielen Initiativen in allen drei Bezirken.  Und wir engagieren uns aus voller Überzeugung. Weihnachten und die Frage nach dem Umgang mit Flucht, Vertreibung und Migration gehören zusammen. Es grüßt Sie zu dieser Winterausgabe, die natürlich noch viel mehr bereit hält als das Thema, das im Moment so viele bewegt, Ihr
Till Hüttenberger