Schätze der Reformation

Was zur Förderung der Eintracht dient, soll an mir nicht fehlen... Martin Luther

Der 31.Oktober ist in diesem Jahr zur Freude vieler Zeitgenossen ein Feiertag in ganz Deutschland. Anlass ist ein Ereignis vor 500 Jahren, das als Geburtsstunde der Evangelischen Kirche gefeiert wird und die kirchliche wie politische Landkarte weit über Deutschland hinaus nachhaltig veränderte.

Am 31.Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Praxis des Ablasshandels. Ob er sie an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte, ist unter den Historikern umstritten. Gesichert ist, dass er die Thesen auf Deutsch mit Hilfe der 1450 von Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, erfundenen Drucktechnik unter die Menschen brachte.

Von einem unbekannten Professor in der Provinz zu Papier gebracht, ist das Verwunderlichste an den 95 Thesen, dass sie so schnell Verbreitung fanden. Das war in der Tat „unerhört“, wie Luther an einen Freund schrieb. Innerhalb von nur zwei Monaten wurden die 95 Thesen in allen großen Städten verteilt und machten Luthers Ideen über die Grenzen von Wittenberg hinaus im gesamten Deutschen Reich bekannt.

Bemerkenswert ist Luthers Mut und Entschlossenheit, seine Ansichten öffentlich zu machen. Er schaute weder nach rechts noch nach links, als er die Macht des Papstes radikal in Frage stellte. „Der Papst tut sehr wohl daran, dass er den Seelen nicht nach der Schlüsselgewalt, die er so gar nicht hat, sondern in Gestalt der Fürbitte Erlass gewährt.“ (These 26) Luther war sich bewusst, dass er einen Weg eingeschlagen hatte, der ihn sein Leben kosten könnte.

Seitdem sind 500 Jahre vergangen und die meisten gegensätzlichen Positionen, die damals zur Spaltung der Kirche führten, sind heute gegenstandslos geworden. Die evangelischen und katholischen Gemeinden nicht nur in Mönchengladbach bewegen sich seit vielen Jahren aufeinander zu. 40 gemeinsam verantwortete Projekte, Initiativen, Arbeitskreise, Ausschüsse gibt es allein in den Gladbacher Innenstadtgemeinden. Sie haben das ökumenische Miteinander zum Schwerpunktthema des Gedenkjahres 2017 ausgerufen und laden unter der Überschrift: „500 Jahre Spaltung sind genug! Wir sehnen uns nach Einheit!“ zu einem Gemeindefest auf dem Kapuzinerplatz am 25.Mai ein.

Aber wie kann diese neuzugewinnende Einheit aussehen?

Nach Luther kann und darf die christliche Einheit kein Selbstwert, nichts Absolutes sein, nach dem sich alles andere zu richten hätte. Die Einheit der Christen wird für ihn bestimmt durch das Wort, den Glauben, durch Christus und die biblische Wahrheit. Wenn Christus und sein Wort und der Glaube daran aufhören, Kern und Stern, Maßstab und Leitstern der Ökumene zu sein, dann ist für Luther die Luft aus der Ökumene heraus.

So verstehen auch die Gladbacher Gemeinden ihr Miteinander. Einheit ist das Ergebnis eines Lernprozesses, in dem sich Katholiken und Protestanten in den vielfältigen Ausdrucksformen ihres Glaubens sehen und wahrnehmen, die Unterschiede begreifen und an der biblischen Wahrheit messen, und das zu Bewahrende schätzen lernen.

Aber was ist das zu Bewahrende? Was sind die Schätze, die aus der Reformation hervorgegangen sind und unser evangelisch kirchliches Leben prägen? Was bringen wir Protestanten ein in den gemeinsamen Lernprozess mit den katholischen Partnern?

Schreiben Sie uns, was Sie an Ihrer Kirche besonders wertschätzen, was Ihnen lieb und besonders wertvoll ist. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema „Einheit“. Wir werden in den  kommenden Ausgaben des Gemeindebriefes WIR und auch hier ausgewählte Zuschriften veröffentlichen. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Homepage.

Wolfgang Hess