Die Zukunft der Gemeinde liegt bei den Kindern

Ja, die Christuskirchengemeinde schrumpft. Wie viele andere Kirchengemeinden auch. Das kann man so hinnehmen, auf die Demographie schieben oder schlicht und einfach ignorieren. Oder man kann sich damit auseinandersetzen, warum Menschen aus der Kirche austreten, warum sie in der Gemeinde bleiben und welche Angebote sie brauchen. Genau das hat das Presbyterium der Christuskirchengemeinde in einer Sondersitzung Ende Januar getan - es hat sich die Frage nach Kirchenbindung und Kirchenaustritt gestellt. Pfarrerin Annette Beuschel, amtierende Vorsitzende, hatte dazu einen interessanten Gast geladen: Dr. Meike Neumann, Kaarster Pfarrerin und seit längerem mit dem Thema beschäftigt.

Meike Neumann hatte die Studie zur Kirchenbindung im Gepäck, die die Evangelische Kirche im Rheinland regelmäßig in Auftrag gibt. Sie dreht sich konkret um religiöse Sozialisation und Traditionsweitergabe. Mit anderen Worten: Wenn Eltern Glauben und Religion, Spiritualität und Tradition nicht vermitteln, wie sollen die Kinder dann eine Bindung an Kirche und Gemeinde, an Religion und Glauben entwickeln?

Es ist das Problem einer immer stärker säkularisierten Gesellschaft, die die Religion zur Privatsache erklärt hat und nun nicht nur die Worte, sondern auch das Interesse verloren hat, darüber zu reden. Die Studie belegt, dass drei Viertel der Protestanten nicht über religiöse Fragen reden wollen. Zwar möchte die Hälfte der unter Dreißigjährigen ihre Kinder noch religiös sozialisieren, aber zwanzig Prozent wollen ihre Kinder nicht taufen lassen. Wohlgemerkt, zwanzig Prozent derer, die in der Kirche sind. Was also tun? Gezielt auf die jungen Familien zugehen, meinte Pfarrerin Meike Neumann und berichtete von den Erfahrungen, die die Kaarster Gemeinde gesammelt hat. Grundsätzlich führt die gestiegene Mobilität zu einer abnehmenden Bindung an die Gemeinde. Die Neuzugezogenen kennen schließlich niemanden. „Wir besuchen die Familien, die gerade ein Kind bekommen haben“, erklärt die Pfarrerin. „Oft sind das nur zehn Minuten, in denen man an der Tür redet, aber dadurch wird eine gewisse Vertrautheit geschaffen.“ Die Eltern wissen dann, an wen sie sich wegen der Taufe der Kinder wenden können, sie haben ein Gesicht vor Augen. Und sie befinden sich in einer Phase, in der sie für religiöse Fragestellungen eher erreichbar sind. Gezielt hat die Kaarster Gemeinde auch Kinder evangelischer Eltern zwischen sechs und elf eingeladen, die noch nicht getauft waren. „Manchmal möchten die Eltern, dass die Kinder sich an die Taufe erinnern können und finden später keine richtige Form für die Taufe“, sagt Meike Neumann. Die Gemeinde lud diese Kinder zu einer Taufe im Kaarster See ein, die selbstverständlich entsprechend vorbereitet wurde. 23 Jungen und Mädchen wurden in diesem Rahmen getauft. „Es ist natürlich wichtig, dass anschließend der Kontakt weiterbesteht“, erklärt die Pfarrerin. Da sei aber durch wöchentliche Schulgottesdienste gegeben.  

Nun gibt es in der Christuskirchengemeinde bereits eine sehr engagierte Arbeit im Bereich der jungen Familien – Krabbelgottesdienste, Kindergottesdiensttage, Schulgottesdienste und vieles mehr. Dennoch wurde der Kaarster Ansatz im Presbyterium sehr positiv diskutiert, denn auch in Mönchengladbach gibt es in Familien mit mindestens einem evangelischen Elternteil viele Kinder, die nicht getauft sind. Sie zu erreichen ist eine lohnende Aufgabe. Und ein Weg, den Schrumpfungsprozess aufzuhalten.

Angela Rietdorf